Wir waren alle drei auf Urlaub, August in den Karnischen Alpen.
Unsere Absicht war ursprünglich nicht Musik zu vermitteln, sondern wir wollten unsere Leidenschaften von Musik und Berg verbinden. Uns drei Musikerinnen zieht es seit unserer Kindheit immer wieder in den Berge. Wandern und Bergsteigen zählt für uns ebenso zum Leben wie Musik machen. So verwundert es nicht, dass wir beschlossen, in einer ungewöhnlichen Tournee beides zu verbinden. Doch was ist daran reizvoll, Instrumente durch die Berge zu schleppen?
Es ist die Sehnsucht, nicht immer dem entweder-oder ausgeliefert zu sein: entweder erleben (gehe ich wandern) oder mache ich Musik. Aber bin ich in der Natur, habe ich mein Instrument, das Sprachwerkzeug mit dem ich mich ausdrücken möchte, nicht dabei.
Es ist die Sehnsucht, endlich einmal in einem unendlichen Raum mein Instrument zu spielen, einmal in Kontakt treten mit der Stille eines Bergkessels und ein musikalisches Gespräch mit dem Wind führen.
In einem Konzertsaal entwirft man Kompositionen im Dialog mit aufgezeichneten Klängen, die ein Abbild der Wirklichkeit sind. Draußen wird man Teil dieser Klänge.
Das Projekt:
Ein geliehener grüner Kinderkontrabass, ein indisches Harmonium und eine Baßquerflöte wanderten über den Karnischen Höhenweg.
Gespielt von:
- Cordula Bösze: Flötistin, Leiterin des Böszen Salonorchesters
- Karen Schlimp: Pianistin, Dozentin an der Bruckner-Universität Linz und an der Musikuniversität Wien (-->Biographie -->Publikationen)
- Nina Polaschegg: Kontrabassistin, freischaffende Musikwissenschaftlerin und Musikpublizistin
Begleitet und unterstützt von Viktor Huditz (ebenfalls Musiker und in weiterer Folge Chef de Cuisine de Alp) und Eva Steiniger (Liebhaberin zeitgenössischer Musik und dann zur Fotographin unseres Teams ernannt).
„Die Musik, die sie spielen ist frei improvisiert. Dabei spielen nicht Melodie und Begleitung, keine Harmonien, kein Groove die Hauptrolle. Dafür werden Klänge aller Art, Geräusche in die musikalische Gestaltung miteinbezogen. Berge sind nicht nur Lebensraum, sondern lassen sich ebenso als Klangraum verstehen. Die künstlichen Klänge der Instrumente begegnen solchen aus der Natur, lauschen diesen behutsam nach, reagieren auf sie, verweben sich mit ihnen. Das sich je nach Begebenheiten ändernde akustische Umfeld lässt eine Kommunikation entstehen, die geprägt ist durch Zuhören, durch Assoziation und Reaktion, durch respektvollen Umgang mit dem Klang, der zu hören ist: Wind, Wasser, Vögel, Murmel, Stille... Die Suche nach stets neuen Spielorten, nach wechselnden Klangbegebenheiten und akustischen Räumen gab dem Projekt den Namen Mobile Musik. Freiraum Klang beschreibt nicht nur die gespielte frei improvisierte Musik. Der Titel verweist ebenso auf die Landschaft, verstanden als Freiraum für den Wanderer, der sich im speziellen Fall des Musikers außerhalb der gewohnten Spielumgebung in Konzertsaal, Kirche oder Club bewegt, der sich auf den geweiteten Horizont der Berggipfel einlässt.“
„Wir hielten an, wo wir Lust hatten und spielten für uns. Endlich einmal in freier Natur spielen, dort wo die Berge den Schall wiedergeben, wo die Vögel antworten, wo das Rauschen des Baches mit den Klängen des Harmoniums verschmilzt.“



