Zur Person

Performances

Workshops

Publikationen

Termine

Kontakt

Entstehungsgeschichte

Inspiriert von indischen Lastenrikschas und der Vision, überall in der Natur Klavier zu spielen, ging ich ans Werk.

Ich bin immer schon gerne gereist, und war seit meiner Jugend viel unterwegs in Ländern Europas, Asiens und des Orients. Ich bin mit der transibirischen Eisenbahn nach China gefahren, ein zerlegtes Fahrad im Gepäck, und dort zwei Monate mit dem Fahrrad herum gefahren. In Marrakesch habe ich den Platz der Musiker, Märchenerzähler und Gaukler gesehen, in Indien Konzerte klassischer Musik eine Nacht lang im Freien auf der Straße gehört, in London im Park Musik verschiedener Kulturen.

Ich wollte mit meinem Instrument auch gerne unterwegs sein. Manchmal dachte ich mir, warum ich nicht Geigerin geworden bin. Die können ihr Instrument immer mittragen. Da ich aber die Liebe zum Flügel habe, mußte ich mich damit abfinden. Entweder es gibt ein Klavier oder ich kann nicht spielen.

Ich spiele gerne an ungewöhnlichen Orten. Immer wieder habe ich mir vorgestellt, mit einem Flügel im Wald zu spielen, an einem See oder im Schwimmbad. Vor allem aber auch mit einem Flügel dort zu spielen, wo er etwas Ungewöhnliches ist, wo man darüber noch staunen kann.

Die Idee gab es schon lange in meinem Kopf. Da ich seit langen Jahren auf eine neuen Flügel gespart habe und diesen jetzt gekauft habe, kann ich mein altes Studiumsklavier dafür umfunktionieren.

Ideen aus Indien wo auf Lastenrikschas unheimliche Gewichte gezogen werden und meine Liebe zum Fahrrad ergaben für mich die Kombination des fahrradfahrenden Klaviers. Ich bin selbst Extrembergsteigerin (Montblanc, Matterhorn von Italien, diverse Eistouren und Schitouren..) und auch leidenschaftliche Radfahrerin. Für mich ist das Fahrrad ein Verkehrmittel - ich wohne am Berg und fahre selbstverständlich fast jeden Tag zur Arbeit und wieder hinauf nach Hause.

Deshalb war es für mich naheliegend, diese zwei Dinge zu verbinden, weil ich auch weiß, was körperlich möglich ist.

Im Zuge der Recherchen über die Machbarkeit dieses Projektes stieß ich auf andere Künstler die in verschiedener Weise versucht haben, Musik mobil zu machen. Ich stieß auf einen kanadischen Künstler, der allein fahrradfahrend eine Gruppe von sechs Musikern auf einer Plattform durch Slowenien gezogen hat und sich von der Fahrradwerkstätte im Wiener WuK in Wien ein solches Gefährt bauen ließ. Weiters erhielt ich dann Informationen über den französischen Pianisten: Francois-Rene Duchable: Dieser stellte ein Klavier auf ein Fahrgestell mit Elektromotor und spielte damit bei einem Festival in Dünkirchen.

Deshalb war ich mir sicher, dass es machbar ist.

Geht das? Oder nicht? Oder doch? Oder doch - nicht?

Das konkrete „Machen“ war dann allerdings nicht so leicht: Ich befragte Schlosser, Bühnentechniker, HTL-Ausbildner, die Metallwerkstätte der Kunstuniversität Linz und Fahrradbauer. Der Tenor war: Sehr schwierig bis unmöglich, ich müsse in die Automobiltechnologie gehen und ähnliches. Dann traf ich Berndhard Baumann von der WuK-Fahrradwerkstatt. Bernhard hat schon eine Menge Räder und Anhänger gebaut, und er meinte „natürlich geht das“. Gut, sagte ich. Dann brauche ich schnell mal eine Zeichnung für die Subventionsanträge, denn niemand kann sich darunter etwas vorstellen. Bernie setzte sich hin, und schon war eine erste Skizze auf einen Butterbrotpapier  fertig:

Das legendäre Butterbrotpapier, nun zu besichtigen im Pianomobile-Museum.

Ich erteilte ihm den Auftrag, obwohl ich noch nicht wusste, ob ich das Geld dafür zusammen bekomme, aber was solls, ich musste das einfach machen. Mein Pianomobileur (siehe pianomobile-Wörterbuch), machte sich ans Schweißen, Bohren und Sägen.

siehe Tagebuch 2004

Subventionsanträge

Ich stelle einen Antrag nach dem anderen. Es kommt eine Absage nach der anderen. Trotzdem mache ich weiter, immerhin geht es um meinen Traum, und außerdem ist das Ding bereits in Arbeit. Ich bekomme also kein Geld, aber dafür andere Unterstützung. Viele meiner Freunde und Bekannten halten mir und dem Projekt die Stange, denn sie wollten mitfahren. Günter bietet mir an, die Werbung zu übernehmen. Tom sagt im Suff zu, mir ein paar Tage seines Lebens zu schenken und hält dieses Versprechen dann auch wieder ernüchtert. Immerhin: am Schluss machen die Stadt Linz und das Land Oberösterreich mit und deckten zumindest einen Bruchteil der Kosten ab. Der Kulturbeauftragte der Stadt Linz, Peter Leisch, war hellauf begeistert und kündigte gleich an, mitzufahren. Schade, dass er dann auf Urlaub war und nicht konnte.

Deafns denn des?

Diverse Freunde unterstützen mich mit Ausreden für Polizeiprüfungen und ähnliches. So ein Klavier kann sich nämlich schnell in den Stricken der Straßenverkehrsordnungsbürokratie verheddern. Ein Anhänger ohne behördliche Zulassung geht ja noch - er darf halt nur 10 km/h schnell fahren. Aber ein Fahrradanhänger darf nicht mehr als 100 kg wiegen. Tut er auch nicht, sagt Bernie. Es steht halt nur noch ein Klavier drauf. Außerdem gibt es Ausnahmen für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Kein Problem, dann legen wir eben einen Heuballen drunter, stellen Pflanzen aufs Klavier und bespielen sie. Dann wachsen sie besser, und das dient dann der Land- und Forstwirtschaft. Mit den Gesetzen ist es eben so eine Sache in diesem Land: In England ist alles erlaubt, was nicht verboten ist, in Deutschland alles verboten, was nicht erlaubt ist, und in Österreich alles erlaubt, was verboten ist.

Kein Durchkommen?

Beim Abfahren der Route zeigte sich das nächste Problem: Wir wollen den Donauradweg fahren, aber die breitesten Fahrradanhänger auf dieser Route sind gerade mal halb so beit wie mein Fahrradklavier. Wie also bei den diversen Schranken und Pollern vorbei kommen? Hier kam uns Österreichs Wasserkraft zu Hilfe: In jedem Kraftwerk gibt es Personal, und das Personal dort hat Schlüssel zu den Schranken. Nur wer darf die Schlüssel herborgen? nach einigem Herumgefahre lande ich bei der obersten Betriebsleitung der oberösterreichischen Donaukraftwerke, und dieser gab mir bereitwillig alles, was ich brauchte.

Damit hatte ich freie Fahrt. Nur mit wem?

Haaallooo, Pianomobilisten!

So leicht es ist, Zusagen zum Mitfahren zu bekommen, so schwierig ist es, über fünf Tage hinweg durchgehend eine Belegschaft an mindestens vier Pianomobilisten (siehe Pianomobile-Wörterbuch) zusammen zu bringen. Einige Anrufbeantworter hatten ihre liebe Not mit mir, und ich mit ihnen. Am Schluss hatte ich ein munteres Kommen und Gehen von Leuten, die zwischen einem und fünf Tagen mitfuhren. Am Tag der Abfahrt wusste ich noch nicht, ob sich das alles ausgeht.

Haaallooo, Pianomobile?!

Murphy’s Gesetz schlägt zu: Wenn irgendetwas schief gehen kann, dann tut es das auch. Tagelang ist Bernie mit dem entstehenden Pianomobile auf Tauchstation. Die Presseaussendung muss raus, und ich habe keine Ahnung, ob es überhaupt schon eine Schraube von meinem Fahrradklavier gibt. Egal: Die Termine stehen, jetzt höre ich auch nicht auf. Die Entscheidung, die Aussendung raus zu lassen, kostet mich schlaflose Nächte. Wird aus dem Pianomobile ein Pianomalheur, bevor es beginnt?

Endlich bekomme ich einen völlig verzagten Bernie an den Apparat. Er sei zu Hause, es gehe ihm gut, aber das Pianomobile - nun ääh - es sei noch nicht ganz fertig. Das Herz fällt mir in die Hose. Der Transporter ist gemietet, um das Werkel nach Linz zu bringen, und er steht dort noch mit den Einzelteilen rum? Ich fahre mit dem Transporter Bernie abholen, inklusive aller Einzelteile, Ersatzteile, dem Schweißgerät und dem restlichen Zimmerküchekabinett, das ein Fahrradtechniker so braucht. Die letzten Nächte schlafe nicht nur ich nicht mehr, sondern auch Bernie: Er baut am Parkplatz der Bruckneruni das Ding fertig zusammen. Tom springt ein und bastelt die Befestigung des Klaviers.

Am Abend vor der Abfahrt ist es fertig. Nur wohin damit bis morgen? Wir können es doch nicht offen herum stehen lassen. Wir stellen es einfach in die Tiefgarage unter dem Lentia.

Dann kann es endlich los gehen, zur -->Pianomobile-Tournee 2004.

Ohne...
... Worte.
Das Pianomobile
ein lachender Jogger
Pianomobile on tour