Ich erteilte ihm den Auftrag, obwohl ich noch nicht wusste, ob ich das Geld dafür zusammen bekomme, aber was solls, ich musste das einfach machen. Mein Pianomobileur (siehe pianomobile-Wörterbuch), machte sich ans Schweißen, Bohren und Sägen.
siehe Tagebuch 2004
Subventionsanträge
Ich stelle einen Antrag nach dem anderen. Es kommt eine Absage nach der anderen. Trotzdem mache ich weiter, immerhin geht es um meinen Traum, und außerdem ist das Ding bereits in Arbeit. Ich bekomme also kein Geld, aber dafür andere Unterstützung. Viele meiner Freunde und Bekannten halten mir und dem Projekt die Stange, denn sie wollten mitfahren. Günter bietet mir an, die Werbung zu übernehmen. Tom sagt im Suff zu, mir ein paar Tage seines Lebens zu schenken und hält dieses Versprechen dann auch wieder ernüchtert. Immerhin: am Schluss machen die Stadt Linz und das Land Oberösterreich mit und deckten zumindest einen Bruchteil der Kosten ab. Der Kulturbeauftragte der Stadt Linz, Peter Leisch, war hellauf begeistert und kündigte gleich an, mitzufahren. Schade, dass er dann auf Urlaub war und nicht konnte.
Deafns denn des?
Diverse Freunde unterstützen mich mit Ausreden für Polizeiprüfungen und ähnliches. So ein Klavier kann sich nämlich schnell in den Stricken der Straßenverkehrsordnungsbürokratie verheddern. Ein Anhänger ohne behördliche Zulassung geht ja noch - er darf halt nur 10 km/h schnell fahren. Aber ein Fahrradanhänger darf nicht mehr als 100 kg wiegen. Tut er auch nicht, sagt Bernie. Es steht halt nur noch ein Klavier drauf. Außerdem gibt es Ausnahmen für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Kein Problem, dann legen wir eben einen Heuballen drunter, stellen Pflanzen aufs Klavier und bespielen sie. Dann wachsen sie besser, und das dient dann der Land- und Forstwirtschaft. Mit den Gesetzen ist es eben so eine Sache in diesem Land: In England ist alles erlaubt, was nicht verboten ist, in Deutschland alles verboten, was nicht erlaubt ist, und in Österreich alles erlaubt, was verboten ist.
Kein Durchkommen?
Beim Abfahren der Route zeigte sich das nächste Problem: Wir wollen den Donauradweg fahren, aber die breitesten Fahrradanhänger auf dieser Route sind gerade mal halb so beit wie mein Fahrradklavier. Wie also bei den diversen Schranken und Pollern vorbei kommen? Hier kam uns Österreichs Wasserkraft zu Hilfe: In jedem Kraftwerk gibt es Personal, und das Personal dort hat Schlüssel zu den Schranken. Nur wer darf die Schlüssel herborgen? nach einigem Herumgefahre lande ich bei der obersten Betriebsleitung der oberösterreichischen Donaukraftwerke, und dieser gab mir bereitwillig alles, was ich brauchte.
Damit hatte ich freie Fahrt. Nur mit wem?
Haaallooo, Pianomobilisten!
So leicht es ist, Zusagen zum Mitfahren zu bekommen, so schwierig ist es, über fünf Tage hinweg durchgehend eine Belegschaft an mindestens vier Pianomobilisten (siehe Pianomobile-Wörterbuch) zusammen zu bringen. Einige Anrufbeantworter hatten ihre liebe Not mit mir, und ich mit ihnen. Am Schluss hatte ich ein munteres Kommen und Gehen von Leuten, die zwischen einem und fünf Tagen mitfuhren. Am Tag der Abfahrt wusste ich noch nicht, ob sich das alles ausgeht.
Haaallooo, Pianomobile?!
Murphy’s Gesetz schlägt zu: Wenn irgendetwas schief gehen kann, dann tut es das auch. Tagelang ist Bernie mit dem entstehenden Pianomobile auf Tauchstation. Die Presseaussendung muss raus, und ich habe keine Ahnung, ob es überhaupt schon eine Schraube von meinem Fahrradklavier gibt. Egal: Die Termine stehen, jetzt höre ich auch nicht auf. Die Entscheidung, die Aussendung raus zu lassen, kostet mich schlaflose Nächte. Wird aus dem Pianomobile ein Pianomalheur, bevor es beginnt?
Endlich bekomme ich einen völlig verzagten Bernie an den Apparat. Er sei zu Hause, es gehe ihm gut, aber das Pianomobile - nun ääh - es sei noch nicht ganz fertig. Das Herz fällt mir in die Hose. Der Transporter ist gemietet, um das Werkel nach Linz zu bringen, und er steht dort noch mit den Einzelteilen rum? Ich fahre mit dem Transporter Bernie abholen, inklusive aller Einzelteile, Ersatzteile, dem Schweißgerät und dem restlichen Zimmerküchekabinett, das ein Fahrradtechniker so braucht. Die letzten Nächte schlafe nicht nur ich nicht mehr, sondern auch Bernie: Er baut am Parkplatz der Bruckneruni das Ding fertig zusammen. Tom springt ein und bastelt die Befestigung des Klaviers.
Am Abend vor der Abfahrt ist es fertig. Nur wohin damit bis morgen? Wir können es doch nicht offen herum stehen lassen. Wir stellen es einfach in die Tiefgarage unter dem Lentia.
Dann kann es endlich los gehen, zur -->Pianomobile-Tournee 2004.