Impressionen
- Lauter kurze Duette: Ein Tänzer betritt den Raum sitzt kniend in der Mitte, jemand geht schnellen Schrittes vorbei 1.Duett.
- 2. Duett: Musik: Geigenpizzicatti erklingen, eine Tänzerin bewegt sich dazu.
- Drittes Duett: 2 Mundharmonikas spielen sich von 2 Raumpositionen zu. Ein Tänzer stellt sich dazwischen. Trios entstehen. Akkordeoncluster vermischen sich mit atonalen Hackbrettklängen und einer schrillen Oboenlinie.
- „Roundrobbing“ [1]: Immer 3 Leute spielen, kommt ein Neuer dazu , steigt jemand anderer wieder aus. Spannende Musik ist zu hören, plötzlich entsteht bei den Tänzern eine Geschichte.....
- 6 Bilder sind im Raum verteilt. Einer Gruppe von 3 Musikern ist je eine Graphik zugeordnet. Es ist dunkel. Eine Person leuchtet mit einer Taschenlampe ein Bild an. Musik dazu erklingt.
Erzählt wird hier vom Freien Improvisationsforum, in der Wildbergstraße in Linz, in Oberösterreich. Einer der Orte an denen einmal im Monat improvisierte Musik erklingt, so wie in Wien in New York und vielen andren Orten in Europa wo Musiker das Bedürnis haben miteinander zu Improvisieren . Die Besonderheit von Linz ist, daß es eine Verbindung gibt zwischen Musik und Tanz . Ebenso wie sich die Tänzer und Musiker untereinander treffen, wird hier gemeinsam improvisiert. Was entsteht ist Dance and Music- Musicdance, Wildbergstraße , Jänner, Februar, März.03, 04.....
Ähnlich wie bei John Cage, der sein Stück Watermusic immer nach dem Ort und der Zeit benannt hat wo es aufgeführt wurde, weil er aleatorische Elemente wie Radiofrequenzen verwendete, könnte man solche Improvisationsereignisse auch so nennen. Schauplatz Jägerzeile in Wien, ABC- No-Rio in New York, Improforum Wildbergstraße in Linz...... Was entsteht ist Momentmusik einmalig in der Zusammensetzung, Struktur und Energie.
Organisiert sind die Zusammenkünfte so, daß Konstellationen gebildet werden: Trios, Quartette, Sextette aus verschiedenen Instrumentalisten. Am Anfang und am Schluß erfolgt meist eine Kollektivimprovisation. Manchmal gibt es auch Themen: wie Improvisationen zu Graphiken von Musikern, [2] oder zu Texten von Jandl und anderen, oder zu inspirierenden Themen wie beispielsweise ein Katalog einer Buchhandlung der solche Texte beinhaltete: [3] „Erster Spielraum: Liebe und andere Leidenschaften, Zweiter Spielraum: Zeitspiegel, Dritter Spielraum: Elements of Crime , Neunter Spielraum: Kopfarbeit, Zwölfter Spielraum: Konflikte, Träume, Illussionen“
Die Ensembles sind jedesmal anders, die Instrumentation auch.- Instrumente wie Hackbrett, E-Gitarre, Blockflöten, Syntesizer, Digeridoo, Mundharmonika, vermischen sich mit Klavieren, Geigen, Oboen und manchmal auch exotischen Instrumenten wie Sheng einem aus mehreren Bambusrohren gebauten chinesischem Instrument.
Das besondere in Linz ist, daß die Ensembles inzwischen aus Tänzern und Musikern bestehen: 1Musiker- ein Tänzer, 3 Musiker-3 Tänzer, 3 Musiker -1 Tänzer, ....
Nur Tänzer, Nur Musiker (man nimmt z.B. Bezug auf das was man gesehen/ gehört hat....) Die Mitwirkenden Musiker sind aus der lokalen Szene: Freie Musiker, Komponisten, Studenten der Linzer Bruckner Universität, Musikschullehrer und interessierte Laien. Oft kommen auch Gäste aus den Bundesländern und manchmal auch aus dem Ausland.
Dabei finden spannende Begegnungen, nicht nur musikalisch, sondern auch musikgeschichtlich gesehen statt, weil: die teilnehmenden Spieler entstammen verschiedenen Generationen, so gibt es z.B. Musiker die vor 30 Jahren angefangen haben, erstmalig Improvisation zu etablieren. Diese haben 20 Jahre improvisiert und dann gewartet bis junge Musiker diese Musizierform entdecken und klinken sich jetzt in die Szene der jungen Generation wieder ein. Ein interessantes Phänomen, da sich quasi Geschichte und Gegenwart begegnen. Der Zugang der verschiedenen Generationen ist auch ein anderer. Während das Anliegen improvisierender Musiker der 60er Jahre die konzeptionelle Dekonstruktion von Regeln und der Aufbruch der konventionellen Konzertsituation war, suchen Improvisatoren der jungen Generation bewußte Beschränkung, statt radikaler Ausweitung, weil die Suche nach der totalen Freiheit war ein historisches Phänomen und kann in dieser Form nicht mehr praktiziert werden.( Freejazzer befreiten sich von den konventionellen Regeln und klassische Komponisten suchten nach neuen Kompositionskonzepten). In diesem Spannungfeld von verschiedenen Musizierweisen entsteht lebendige Musik. Für die Zuhörer und Seher einmalig, schockierend, anregend, manchmal auch etwas langatmig, aber immer am Entstehen des Geschehens intensiv und hautnah dran.
Die Tänzer kommen aus der oberösterreichischen Contactimprovisationsszene- bei ihnen gibt es seit 10 Jahren ein wöchentlichen Treffen improvisierender Tänzer, der aus Amerika stammenden zeitgenössischen Tanzform Contactimprovisation. [4]
Von dort kommt auch die Idee für diese Improjams in Linz: Einflüsse aus meiner Studienzeit in Wien und London, wo ich intensiven Kontakt mit der Tanzimprovisationsszene hatte , die sich vor 15 Jahren in Wien etablierte, haben mich geprägt. An vielen Orten der Welt gibt es regelmäßig Jams, wo sich Tänzer treffen. Ich konnte nach New York, San Francisco, London, Amsterdam, Freiburg und Berlin fahren und dort Gleichgesinnte treffen um mit ihnen tanzend zu improvisieren. Der Wunsch Ähnliches auch einmal im musikalischen Bereich zu erleben führte mich zur Initiative Freie Improvisationsjams einzuführen in der Musik und Tanzimprovisation zusammenspielen.
Die Zuhörer sind die teilnehmenden Musiker, Freunde der Musiker und Tänzer, Neugierige und Laienmusiker.
Musik und Tanz, und als Zukunftsvision auch Musik und Malerei oder wer weiß welche improvisierende Kunst sich noch dazugesellen will. .....
Termine und Kontakt
Das Freie Improvisationsforum Linz findet 1x im Monat am Montag in der Studienzeit statt. Informationen bei Karen Schlimp (0043)- (0)699-11346601 Die nächsten Termine 2003: 21.Juni 03, 18.Oktober 03, 22.November, 13.Dezember , jeweils 20 Uhr Anton- Bruckner Universität , Wildbergstraße 18, 4040 Linz , Göllerichsaal
Weitere Initiativen in Österreich
Wien: Monday Impronights, Schauplatz Jägerzeile, Praterstraße 42, 2. Hof, 1020 Wien (1x im Monat 20 Uhr) Kontakt: Stefan Heckel: 0699-11321218 Salzburg : Treffpunkt Arge Nonntal, Musik und Tanzimprovisation ab Herbst 1x im Monat Kontakt: Anneliese Schneider 0664/4419174
Fußnoten
[1] (Ein Begriff der aus der Contactimprovisation kommt und eine Improvisationsform bezeichnet, bei der alle Tänzer im Kreis stehen , wer hineingeht improvisiert, die Anzahl ist z.B. auf 3 Duette begrenzt, kommt eine neuer Tänzer dazu geht ein anderer hinaus. Die besondere Qualität die entsteht wenn man diese Struktur auf Musiker anwendet, ist daß eine hohe Wachsamkeit entsteht, wer gerade spielt und wo wieder eine neue Klangfarbe dazukommt.)
[2] (In unserem Falle waren es Graphiken von Griet Gaethke oder Hannes Wienert... entnommen aus dem Buch von Peter Niklas Wilson: Hear and Now ,Wolke Verlag Hofheim 1999, das Graphiken von improvisierenden Musikern enthält die sich gut zur musikalischen Umsetzung eignen)
[3] (entnommen aus dem Katalog der Buchhandlung Alex Linz, bestehend aus 12 Blättern mit solchen Titeln)
[4] (Informationen über die Contactjams finden sich in der Zeitschrift Contact Quarterly, die weltweit über Initiativen, Locations, Termine und Forschungen im Bereich der Contactimprovisation berichtet.)





